Sommerserie „Welterbe am Mittelmeer“ Teil 3 Cinque Terre

SommerserieCinque Terre

Blauer Himmel, blaues Meer mit kleinen Wellen, strahlender Sonnenschein, 25°- 28° C und eine leichte Brise – so soll für mich ein Tag am Mittelmeer aussehen. Einen dieser idealen Tage erwischten wir, als wir im Sommer 2014 die Cinque Terre erkundeten. Diese „Fünf Orte“ – Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso al Mare – liegen in einem schwer zugänglichen Gebiet der steilen Felsküste der Riviera di Levante nordwestlich von La Spezia. Sie sind in Felsschluchten entlang der Küste erbaut, gehen in ihrer Entstehung auf das späte Mittelalter zurück, und waren lange Zeit nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar. Inzwischen gibt es auch eine Straße und eine Eisenbahnlinie, welche die Orte miteinander verbinden. Wer gerne wandert, kann auf einem Kammweg oberhalb der Dörfer von einem Ort zum anderen gelangen – gute Kondition vorausgesetzt.

Das Gebiet der Cinque Terre gehört, auf Grund seiner besonderen durch den Menschen geschaffenen Landschaftsstruktur, seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe und wurde 1999 zum italienischen Nationalpark ernannt.

Zusammen mit unserem Guide Andrea fahren wir nach Manarola. Der kleine Ort besteht eigentlich nur aus zwei Straßen, die sich vom Felsrücken herab hinunter zum Meer schlängeln. Er ist, wie die anderen Orte der Cinque Terre auch, für Autos gesperrt. Der Ausblick oberhalb unserer ersten „Cinque-Terre-Station“ ist wunderbar. In den gesamten Fels rund um Manarola sind Terrassen mit Trockensteinmauern eingearbeitet, die, früher mehr als heute, als landwirtschaftliche Nutzfläche und zum Anbau von Wein genutzt werden.

Manarola
Manarola

Manarola1

Kreuzweg in den Terrassen oberhalb von Manarola
Kreuzweg in den Terrassen oberhalb von Manarola

Die Straßen der Stadt sind sehr schmal und zu beiden Seiten von hohen Häusern begrenzt. Hierbei sind fünf oder mehr Etagen keine Seltenheit, teilweise haben die Häuser aufgrund des abfallenden Straßenniveaus sogar Eingänge auf unterschiedlichen Ebenen. Sie sind rosa, weiß, grau oder gelb verputzt, teilweise frisch und neu, teilweise verwittert, so dass der Putz abblättert. Viele der Anwohner „parken“ ihre Boote auf einem Anhänger vor der Haustür, was die schmalen Straßen noch enger macht. Andrea erzählt uns die interessantesten Fakten zur Geschichte Manarolas und macht uns auf den in den Weinterrassen aufgebauten Kreuzweg aufmerksam.

Wir essen Focaccia mit Tomaten und schlendern die Via A. Rollandi hinunter zum Hafen. Von dort aus wollen wir mit dem Boot nach Vernazza. Andrea sagt, dass die Bootsfahrt heute gerade so gehen wird, was mich wundert – das Meer sieht für mich ganz ruhig aus. Am Anleger angekommen wird mir klar, was er meint: Die Wellen klatschen gegen die Felsen des kleinen Hafens, der Anleger wird ständig von Wasser überspült. Die kleinen Fährboote werden über eine Rampe am Bug bestiegen, die sich mit jeder Welle, die den Bug hebt, nach oben und unten bewegt und zusätzlich auf Rollen über den Boden des Anlegers schlittert. Für uns kein Problem, aber sicher nicht jedermanns Sache.

Cinque Terre 2Wir können ganz vorne im Bug des kleinen Fährschiffes sitzen. Die Gischt spritzt hoch und der Wind pustet mir die Haare aus dem Gesicht. Vom Boot aus kann man die Schönheit der Küstenlandschaft viel besser wahrnehmen – die steilen, schroffen Felsen in verschiedenen Grautönen, teilweise mit kurzem Grün bewachsen, weiter oben schon mit kleine Bäumen. Die Terrassen mit Weinreben und kleinen Mauern bilden einen tollen Kontrast zum hellblauen Himmel und blaugrünem Meer.

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Cornilia
Cornilia

Auf dem Weg nach Vernazza kommen wir an Corniglia vorbei, dem einzigen der fünf Dörfer, das keinen Hafen hat. Es liegt auf den Felsen ca. 80 Meter oberhalb des Meeres und ist deshalb besser auf dem Landweg mit dem Zug, Auto oder zu Fuß zu erreichen.

Vernazza ist italienisches Postkartenidyll pur. Im Hafen liegen Fischerboote, dahinter öffnet sich ein kleiner mit Sonnenschirmen bestandener Platz, um den sich bunte Häuser drängen. Oberhalb des Hafens steht die Kirche „Santa Margherita di Antiochia“. Leider war das Dorf trotz Vorsaison so überlaufen, dass es unmöglich war, ein ruhiges Plätzchen zu finden. So entschieden wir uns dafür, nach einem kurzen Spaziergang und ein paar Fotos direkt nach Monterosso al Mare weiterzufahren.

Vernazza
Vernazza

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Torre Aurora
Torre Aurora

Nach Monterosso al Mare ist es von Vernazza aus nur eine kurze Bootsfahrt. Der größte Ort der Cinque Terre besteht aus der Altstadt und dem neueren Stadtteil Fegina. Als wir in die kleine Bucht von Monterosso einfahren, sehen wir als erstes den grauen Wachturm Torre Aurora, der oberhalb der Hafeneinfahrt steht und aus dem 16. Jahrhundert stammt.

An Land „streunen“ wir erstmal ein Stündchen durch die ruhigen Straßen und verwinkelten Gassen der Altstadt. Auch hier sind die Häuser verputz und bunt gestrichen, in den kleinen Gärten tragen schon Orangen- und Zitronenbäume Früchte. Wir besuchen die Kirche San Giovanni Battista, die durch ihre gestreifte Marmorfassade und die fein ausgearbeitete Rosette oberhalb der Tür ins Auge fällt. Ich hab mich schon häufig gefragt, warum viele Kirchen, besonders in Italien, diese gestreifte Fassade haben, aber ich habe es verpasst, unseren Guide Andrea zu fragen (Wer die Antwort kennt, schreibt bitte einen Kommentar – Danke).

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Kirche San Giovanni Battista

Trotz der reizvollen Altstadt zieht es uns zurück zum Wasser. Mit Pizza Margaritha auf der Hand und den Füßen im Meer, lassen wir diesen schönen Sommertag in den „Fünf Orten“ am kleinen Strand vor der Altstadt ausklingen.

Weitere Informationen findest du auf der englischen Seite des Nationalpark Cinque Terre.

Hier findest du Teil 1 der „Sommerserie Mittelmeer“ über die Insel Delos und den dazugehörenden Bilderbogen Mykonos.

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