Hamburg – Meine Perle

Speicherstadt Hamburg

Es gibt immer wieder Momente auf Reisen, in denen sich die schönen Pläne, die man vor der Abfahrt gemacht hat, in Luft auflösen. Gerne ist das Wetter „schuld“ daran. So wie bei unserem letzten Hamburg-Besuch. Vielleicht sollte ich euch direkt vorneweg sagen, dass Hamburg meine Lieblingsgroßstadt ist. Wenn ich vom Land in eine der deutschen Metropolen ziehen müsste, wäre Hamburg ohne zu zögern meine Wahl. Generell mag ich Hafenstädte. Die Verbindung zum Wasser prägt eine Stadt auf eine ganz eigene Art und Weise.

Ich habe einige Zeit in Dithmarschen in Schleswig-Holstein gelebt. Von dort ist Hamburg die nächste ernst zu nehmende Großstadt, die ich durch viele Besuche in ihren unterschiedlichsten Facetten kennenlernen konnte. Im Morgengrauen, dick eingepackt an den Landungsbrücken entlagfahren, Kaffee im Sonnenschein an der Binnenalster, Einkaufsbummel auf der Mönckebergstraße, oben auf dem „Michel“, „Phantom der Oper“ in der Neuen Flora und natürlich der „König der Löwen“ im Hafen. Zu Fuß durch den alten Elbtunnel laufen, mit dem „Wasserbus“ nach Övelgönne fahren und den „dicken Pötten“ beim ein- und auslaufen zusehen, durch die Speicherstadt fahren, Hagenbecks Zoo, das geschäftige Treiben an den Containerterminals, Abendessen im Schanzenviertel, einfach durch die Stadtteile bummeln, sie erkunden und neue Lieblingsecken entdecken. So mag ich Hamburg.

Speicherstadt
Speicherstadt vom Michel aus fotographiert

Ich habe mich sehr für Hamburg gefreut, als die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen worden sind. Deshalb wollte ich bei unserem letzten Besuch, wie oben bereits erwähnt, neue Fotos für einen Blogartikel machen. Und was passierte – es goss wie aus Eimern, der Wind pfiff um die Ecken, der Himmel war eine einzige graue Wolkensuppe und es war eiskalt. Bestes Wetter für einen entspannten Fotospaziergang mit Mann und Baby durch die Speicherstadt. Ich kann euch sagen, er wurde recht kurz. Trotzdem schmücken die Fotos jetzt diesen Artikel, denn es scheint nun mal nicht immer nur die Sonne, wenn man unterwegs ist. Das war echtes Hamburger „Schietwetter“ und das ist auch auf den Bildern zu sehen.

Hamburg Speicherstadt

Die Speicherstadt

Nun aber zum eigentlichen Thema. Die Speicherstadt ist ein Komplex aus Lagerhäusern, den sog. Speichern, im nordöstlichen Teil des Hamburger Hafens. Der Baubeginn der ersten Speicherblöcke, die einfach alphabetisch von A – X benannt sind, erfolgte 1883. Das bis dahin an gleicher Stelle stehende Wohnviertel wurde restlos abgerissen und die Bewohner zwangsumgesiedelt.

Hamburg Speichersstadt

Die Lagerhäuser, die alle eine Wasser- und eine Straßenseite haben, sind im Stil der neugotischen Backsteinarchitektur erbaut. Allein das Speicherstadtrathaus am St. Annenufer verkörpert den Stil der Neorenaissance. Ein Fundament aus in den Boden getriebenen Eichenpfählen verleiht den Speicherhäusern die nötige Stabilität. Brücken verbinden die Speicherstadtteile untereinander und diese auch mit der hamburger Stadtseite.

Das Gebiet der Speicherstadt gehörte bis 2003 zum Hamburger Freihafen, was bedeutet, dass Waren die dort von See aus angeliefert wurden, zollfrei gelagert und gehandelt werden konnten und erst beim Verlassen des Freihafens auf der Stadtseite verzollt werden mussten. Bei der Ware handelte es sich hauptsächlich um Stückgut, wie Kaffee, Tee, Kakao oder Gewürze, für die sich die Speicher mit ihrem nahezu gleichbleibenden Raumklima gut eigneten.

Heute werden viele der Speicher neu genutzt: Sie beherbergen Büroflächen für Unternehmen, werden zu Wohnungen umgebaut, als Museen oder Hotels genutzt. Zusammen mit den ehemaligen Hafenflächen des Großen Grasbrooks sowie Anteilen der angrenzenden Stadtteile Altstadt und Rothenburgsort bildet die Speicherstadt den neuen Stadtteil der Hamburger Hafencity. Hier soll bis zum Jahr 2025 Wohnraum für 12000 und Arbeitsplätze für 45000 Menschen geschaffen werden. Damit ist das Welterbe Speicherstadt Teil des zur Zeit größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekts in Europa.

Erkunden lässt sich die Speicherstadt am besten zu Fuß. Die Zeit die man hierfür einplanen muß variiert sehr stark: von 1-2 Stunden für einen einfachen Spaziergang bis zu einem Tag (oder länger), abhängig davon welche der Museen, Ausstellungen etc. man vor Ort besuchen möchte. Einen ersten Überblick kann man sich gut durch eine Barkassenrundfahrt von der Wasserseite aus verschaffen. Der neueste Besuchermagnet ist natürlich die im letzten Jahr eröffnete Elbphilharmonie auf dem ehemaligen Kaispeicher A mit ihrer „Plaza“ Aussichtsplattform in 37m Höhe.

Von der Speicherstadt ist es nur ein kurzer Spaziergang zum zweiten Teil des Hamburger Welterbes, dem Kontorhausviertel.

Chilehaus
Chilehaus

Kontorhausviertel und Chilehaus

Das Hamburger Kontorhausviertel entstand in den 1920er und 1930er Jahren im süd-östlichen Teil der Hamburger Altstadt. Die bis dahin dort bestehende Wohnbebauung, eines der sog. Gängeviertel, war ein sehr armer, rückständiger und eng bebauter Stadtteil mit hoher Bevölkerungsdichte, der ähnlich wie die Vorgängerbauten der Speicherstadt, abgerissen wurde. Die Bewohner wurden zwangsumgesiedelt. Anstelle der alten, kleinteiligen Fachwerkbebauung entstanden große Kontorhäuser im Stil des Backsteinexpressionismus.

Heute würden wir ein Kontorhaus als Bürogebäude bezeichnen, denn dort waren die Büros der Handelsgesellschaften, die am Hamburger Hafen ansässig waren, untergebracht. Die Gebäude waren von ihrer Bauweise darauf ausgelegt, verschiedenen Unternehmen gleichzeitig Platz zu bieten. Durch ein aus Stahl und Beton erbautes Pfeilersystem als Grundkonstruktion wurden tragende Außenwände geschaffen, die eine variabel gestaltete Aufteilung im Inneren zuließen. Außerdem konnten so in den Außenwänden viele Fenster eingebaut werden, die das nötige Licht in die Büros brachten. Die Fassaden der mehrstöckigen Gebäude wurden meist aus Backsteinen gearbeitet, verklinkert und mit Klinkermustern verziert.

Kontorhausviertel

Eines der bekanntesten Beispiele für ein solches Kontorhaus ist das Chilehaus, das zwischen 1922 und 1924 erbaut wurde. Der Unternehmer Henry Brarens Sloman, der sein Vermögen mit chilenischem Salpeter gemacht hatte, beauftragte den Architekten Fritz Höger mit dem Bau eines Kontorhauses, das Sloman auf Grund seiner Handelsbeziehungen nach Chile „Chilehaus“ taufte.

Höger entwarf und erbaute das Gebäude im Stil des Backsteinexpressionismus. Die klaren Linien, scharfen Kanten und großen Flächen des Hauses wurden mit aus Backsteinen gelegten Mustern und Ornamenten (was typische Elemente dieses Baustils sind) aufgelockert. Bekannt wurde das Gebäude allerdings durch seine außergewöhnliche Form, die stark an einen Schiffsrumpf erinnert. Dazu trug vor allem ein Foto der Fotographen Carl und Adolf Dransfeld bei, die durch die Nutzung eines speziellen Objektives die Ostseite des Chilehauses wesentlich spitzer und höher erscheinen ließen, als sie tatsächlich ist. So habe ich mich bei meinem ersten Besuch am Chilehaus auch ein wenig gewundert, dass das Haus viel breiter ist, als es auf vielen Bildern dargestellt wird. Trotzdem ist es ein beeindruckendes Gebäude, besonders wegen der unzähligen Fenster. Aber schaut es euch zusammen mit den anderen Kontorhäusern im Viertel, wie zum Beispiel dem benachbarten Sprinkenhof, selber an. Es lohnt sich!

Viele weitere Informationen zum Weltkulturerbe Speicherstadt mit Kontorhausviertel und Chilehaus findet ihr auf der Seite der Stadt Hamburg. Außerdem gibt es das neue Projekt „Speicherstadt digital“, das die Besucher vor Ort per App mit Informationstexten, historischen Fotos, Audiodateien und vielem mehr versorgt.

Und wenn ihr das nächste mal auf Instagram unterwegs seit, schaut doch mal bei @nordisch_by_nature_ oder @365_Tage_Hafenliebe vorbei. Dort findet ihr wunderschöne Hamburgbilder.

Von Hamburg aus ist man schnell an der Küste und damit am UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer, dass zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist. Lest doch hier weiter

 

Wenn dir der Artikel gefallen hat, teile ihn auf

2 thoughts on “Hamburg – Meine Perle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.