Die Werke Antoni Gaudís in Barcelona – Teil 1

Sagrada Familia – Eine Kathedrale aus Licht und Farbe

Beim Betreten des großen hellen Innenraumes fühle ich mich ein wenig wie Alice im Wunderland, nachdem Sie aus dem Fläschchen mit der Aufschrift „Trink mich“ getrunken hat. Wie auf Ameisengröße zusammengeschrumpft, sehen für mich die Säulen wie Gräser oder Blütenstängel und das Dach wie aneinandergereihte Blütenköpfe aus, so fantastisch, dass einem schier die Luft wegbleibt. Die Sonne, die durch die regenbogenfarbenen Fenster hereinscheint, verteilt bunte Flecken auf den weißen Wänden. Hell, fröhlich und wunderbar anders, als alles, was ich in dieser Richtung bis jetzt gesehen habe.

Gewölbedecke der Sagrada Familia
Hauptschiff der Sagrada Familia

Sagrada Familia 2Ich stehe im Hauptschiff der Sagrada Familia, richtiger Temple Expiatori de la Sagrada Família, dem berühmtesten Werk von Antoni Gaudí i Cornet und Wahrzeichen von Barcelona. Gaudí ist der bekannteste Repräsentant des katalanischen Modernisme, einer Bewegung die dem Jugendstil zuzuordnen ist. Nun verstehe ich, was in den vielen Artikeln, die ich vorher über Gaudís Werk gelesen habe, mit den häufig erwähnten „organischen Formen“ gemeint ist: Alle Formen, Muster und Oberflächenstrukturen scheinen direkt aus der Natur entnommen, passen stimmig zusammen und ergeben ein harmonisches Gesamtbild, an dem man sich gar nicht sattsehen kann. Ich kann einfach nur staunen.

Auch die Außenfassade der Kathedrale unterscheidet sich von dem Bild, das ich bis jetzt von Kirchenbauten hatte, erheblich. „Sieht aus wie eine Tröpfelsandburg“ ist das erste, was mein Mann von mir, beim Anblick der Kathedrale aus einiger Entfernung, zu hören bekommt. Die acht Türme sind rund, lang und schlank. Sie erinnern mich an die Struktur von Bienenkörben und sind an der Turmspitze mit bunten Keramikmosaiken verziert. Es gibt kaum ein Stück glatte, grade Wand, alles biegt und wölbt sich, scheint ineinander zu fließen.

Außenansicht mit Fassade der Sagrada Familia
Außenansicht mit Ostfassade der Sagrada Familia

Die einzelnen Fassadenseiten stellen Stationen aus dem Leben von Jesus ChrSagrada 5istus da. So ist zum Beispiel die fast überbordend mit Figuren und Skulpturen verzierte Ostfassade dem Weihnachtsthema und der Geburt Jesu gewidmet. Ich weiß gar nicht wo ich als erstes hinschauen soll, in jedem Winkel gibt es etwas Neues zu entdecken. Die Westfassade, auch Passionsfassade genannt, stellt dagegen den Leidensweg Christi bis zum Tod da und erscheint wesentlich karger und strukturierter. Dies liegt wohl auch daran, dass Gaudí die Weihnachtsfassade noch selber fertiggestellt hat, die Passionsfassade jedoch im Jahr 2002 mit Figuren des Bildhauers Josè Maria Subirach beendet wurde.

Nicht nur die Kräne verraten, dass die Kathedrale auch heute noch eine Baustelle ist. Im Jahr 1883 wurde Gaudí die Leitung des Kathedralenbaus übertragen, die ursprünglich als neogotisches Gebäude geplant war. Er gestaltete die Pläne komplett um, teilweise änderte er sie noch während des Baus, was die Arbeiten erheblich verzögerte. Die letzten 15 Jahre seines Lebens widmete Gaudí ausschließlich der Arbeit an „seiner Kirche“, weswegen es aus dieser Zeit keine anderen bedeutenden Werke von ihm gibt. Er starb 1926 an den Folgen eines Straßenbahn-Unfalls und wurde in der Krypta der Sagrada Familia beigesetzt. Zu diesem Zeitpunkt waren erst die Krypta, die Apsis, ein Glockenturm und Teile der Geburtsfassade fertiggestellt. Diese Teile wurden auch von der UNESCO im Jahr 2005 zusätzlich zu anderen Werken Gaudis zum Weltkulturerbe erklärt.

Im Jahr 2010 wurde die Kathedrale durch Papst Benedikt XVI geweiht und zu einer Basilika minor erklärt. Seitdem wird Sie ihrer Bestimmung gemäß genutzt. Für mich ist Sie die schönste Kirche, die ich bis jetzt besucht habe. Im Gegensatz zu anderen Kirchengebäuden, die häufig dunkel und wenig freundlich erscheinen, lädt die Sagrada Familia mit ihren lichtdurchfluteten, farbenfrohen Räumen zum Verweilen ein. Und spätestens wenn sie fertig gebaut ist, was in den nächsten 20-25 Jahren der Fall sein soll, werde ich wiederkommen um nochmal über Gaudís Wunderland zu staunen.

Hier gibt es weitere Informationen zur Sagrada Familia.

Hier geht die Barcelona – Reise weiter: Die Werke Antoni Gaudis in Barcelona – Teil 2

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3 Kommentare bei „Die Werke Antoni Gaudís in Barcelona – Teil 1“

  1. […] Hier geht die Barcelona – Reise weiter: Die Werke Antoni Gaudis in Barcelona – Teil 1 […]

  2. […] Werke von Antoni Gaudí und natürlich schöne Fotos findet ihr in meinen beiden Barcelona-Artikeln „Sagrada Familia – Eine Kathedrale aus Licht und Farbe“ und „Casa Batllò – Parc […]

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