Zeche Zollverein

UNESCO-Welterbetag auf der Zeche Zollverein in Essen

Zeche Zollverein Schacht 1/2/8
Zollverein Schacht 1/2/8

Am Sonntag, dem 07. Juni 2015, wurde an den deutschen Welterbestätten der 11. UNESCO-Welterbetag gefeiert. Ein besonders umfangreiches Programm bot dabei, wie schon in den letzten Jahren, die Zeche Zollverein in Essen. Seit dem 14. Dezember 2001 gehört der Industriekomplex Zeche Zollverein als Kulturdenkmal zu der von der UNESCO geführten Liste des Welterbes. Das Welterbe Zollverein besteht aus der Zentralschachtanlage Zollverein XII, der Gründerschachtanlage 1/2/8 sowie der Zentralkokerei Zollverein.Wir haben uns aus dem Potpourri verschiedener Programmpunkte die „Zeitzeugenführung“ durch die ehemalige Kokerei ausgesucht.

Zeche Zollverein - Förderturm Schacht XII
Förderturm Schacht XII
Kohlenmischanlage
Kohlenmischanlage

ZecheÜberblickNach einer kurzen Einleitung ging es direkt mit dem Aufzug auf das Dach der Kohlenmischanlage in ca. 45 Metern Höhe. Von dort aus hatten wir bei strahlendem Sonnenschein einen tollen Blick über das Ruhrgebiet bis nach Bochum und Oberhausen und natürlich über das Gelände der Zeche Zollverein.

Ein Gewirr aus Förderbändern, Rohrleitungen, Kräne und Maschinen, die dort stehengeblieben sind, wo sie zuletzt benutzt wurden. Die vorherrschende Farbe ist rostrot: Der rote Backstein, aus dem die meisten Gebäude errichtet sind, mit Fensterrahmen und Toren in gleicher Farbe, Rostnasen, die an Leitungsrohren und Verstrebungen hinunterlaufen und über Allem steht als weit sichtbares Erkennungszeichen der Zeche der rote Förderturm von Schacht XII. Den Kontrast zu dieser roten Industriearchitektur bilden die grünen Farbkleckse der Bäume und Sträucher, die langsam das Gelände der Zeche zurückerobern.

An der Kokerei
An der Kokerei

Die Kokerei Zollverein

Unser Zollverein-Gästeführer und ehemalige Zechenmitarbeiter Herr Wagner erklärte sehr anschaulich und immer mit der richtigen Prise Humor den Unterschied zwischen Kohle und Koks, wofür die einzelnen Bereiche der Zeche zuständig waren und wo in der Umgebung früher weitere Zechen zu finden waren. Vor 50 Jahren hätte sich uns von diesem Dach aus ein ganz anderes Bild der Umgebung, mit mehreren aktiven Zechen und Kokereien, geboten. Im Verlauf der Führung folgten wir dann auf dem Gelände der stillgelegten Kokerei dem Weg der Kohle und dem Entstehungsprozess des Koks; denn „Ohne Koks kein Stahl!“. Die Gewinnung von Koks aus Kohle und die dabei entstehenden Nebenprodukte waren vor allem für die Stahlherstellung, aber auch für verschiedene Zweige der chemischen Industrie wichtig.

Kohlesilo in der Mischanlage
Kohlesilo in der Mischanlage

Vom Dach aus stiegen wir über eine Zwischenebene in eines der großen Kohlesilos hinab. Hier wurde die Kohle vor ihrer Weiterverarbeitung gelagert. Heute dienen die großen, grauen Betontrichter, die inzwischen auch miteinander verbunden sind, als Ausstellungsfläche.

Unten angekommen ging es entlang eines Kohleförderbandes eine lange schräge Rampe hinauf und über einen Laufgang in luftiger Höhe auf das Dach des Horizontalofens der Kokerei. Kokereibrücke

Horizontalofen Kokerei Zollverein - Blick in die schmalen Ofenkammern
Blick in die schmalen Ofenkammern

Hier konnten wir durch die Erzählung unsers Gästeführers gut nachvollziehen wie damals die schmalen Öfen mit Kohle befüllt wurden und unter welchen schwierigen Bedingungen die Arbeiter hier früher ihr Tagwerk verrichtet haben. Aus den Öffnungen des glühenden Ofens schlug ihnen heiß flimmernde Luft entgegen, Kohlenstaub war in der Luft und sie waren der Witterung zu jeder Jahreszeit ausgesetzt, da diese Arbeit im Freien verrichtet wurde. Heute wachsen hier oben auf dem Ofendach Gräser und Blumen und aus einem der freigelegten Ofenschächte neigt sich ein Schmetterlingsflieder der Sonne entgegen.

Vom Dach des Ofens ging es weiter abwärts vor die hinteren Ofentüren, aus denen nach 18-20 Stunden der rotglühende Koks herausgeschoben und anschließend mit Wasser abgelöscht wurde. Die dabei entstehende Wasserdampfsäule war früher aus der Ferne am Himmel gut zu erkennen. Auch heute noch sind regelmäßig aufsteigende Wasserdampfwolken ein Zeichen für eine aktive Kokerei.

Zum Abschluss unseres Rundgangs durften wir dann auch noch in den Ofen hineingehen – gut, dass der seit mehr als zwei Jahrzehnten außer Betrieb ist. Die Ofenwände sind aus hellen Schamottsteinen, die besonders hitzeresistent sind, gemauert. Sie begrenzen die einzelnen Ofenkammern, die mit ca. 45 cm Breite sehr schmal erscheinen, aber mit 13 Metern Länge und 6 Metern Höhe doch ein großes Füllvolumen erreichen.

Zwei schmale Ofentüren
Zwei schmale Ofentüren
Ofenkammer von innen
Ofenkammer von innen

 

 

 

 

 

 

 

 

Die zweieinhalb Stunden der Führung vergingen sehr schnell und gaben einen tollen Einblick in eine Arbeitswelt, die das Ruhrgebiet für mehr als ein Jahrhundert geprägt hat. Am besten, du schaust es dir selbst einmal an, es lohnt sich! Auch außerhalb des Welterbetages bietet die Stiftung Zeche Zollverein Führungen für Groß und Klein durch die verschiedenen Bereiche der Zeche an. Wer Höhenangst hat, sollte allerdings vorher den Verlauf der Führung erfragen, um Überraschungen in luftiger Höhe zu vermeiden.

SpieglungKokerei2Unser Ausflug endete im Café der Kokerei mit Heißgetränken, Waffeln mit Kirschen und guter Livemusik. Letztere gibt es allerdings nur an so besonderen Tagen wie dem Welterbetag.

Rundweg KopieHier findest du die Seite der Stiftung Zeche Zollverein mit vielen Informationen zu den unterschiedlichen Bereichen der Zeche, Führungsterminen und Veranstaltungstipps.

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4 Kommentare bei „Zeche Zollverein“

  1. […] Wir haben den UNESCO-Welterbetag in Essen verbracht und dabei eine Zeitzeugenführung durch die Kokerei Zollverein […]

  2. […] mit Fotos, die ich gestern Abend an der Eisbahn aufgenommen habe. Außerdem findet ihr einen Bericht zur Zeitzeugenführung durch die Kokerei, die ich im Sommer besucht habe, hier im Blog. Ich wünsche euch viel Spaß bei dem etwas anderen […]

  3. […] die einzige Welterbestätte des Ruhrgebiets sind hier auf dem Blog schon zwei Artikel entstanden: „Zeche Zollverein“ und „Kufenspaß auf Zeche Zollverein“ und es werden sicher nicht die letzten gewesen […]

  4. […] in Essen (2001) – ZUr Zeche Zollverein sind inzwischen schon zwei Artikel erschienen: „Zeche Zollverein“, ein Bericht über den 11. bundesweiten Welterbetag und „Kufenspaß auf Zeche […]

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